Biographie / Finke

Julius Finke Biographie

Christoph Laue - 22.04.2008

Julius Finke wurde am 29.6 1880 in Bremen als Sohn eines Maurers geboren. Nach einem Volksschulbesuch erlernte er den Beruf des Tischlers und übte diese Tätigkeit in Nord- und Süddeutschland aus. Ab 1903 wohnte er in Herford in der Lübberstraße 5. Hier schließt er sich der Arbeiterbewegung an, indem er 1904 oder 1904 Mitglied in der SPD wird. In den Mitgliedsbüchern werden zu dem genauen Zeitpunkt unterschiedliche Angaben gemacht. Von 1911 bis 1920 übte er den Beruf des Lagerhalters bei der Herforder Konsumgenossenschaft aus. Dieser Lebensabschnitt wird durch seine Zeit als Frontsoldat im 1. Weltkrieg unterbrochen, an dem er von 1914-1918 teilnahm. Julius Finke war zweimal verheiratet, da seine erste Frau im Jahr 1920 verstarb. 1919 wird Finke zum Stadtverordneten für die SPD in Herford gewählt. 1920 wird er zum Parteisekretär ernannt. Ab 1924 nimmt er den Posten als Ratsherr im Herforder Magistrat wahr, dem er bis zur Auflösung durch die Nazis 1933 angehörte. Er ist ebenfalls Abgeordneter des Reichstages, in dem er von 1930-33 vertreten war.

In Konflikt mit den Nazis geriet Finke allein schon wegen seiner Zugehörigkeit und Stellung in der SPD. Die SPD-Zeitung "Volkswacht" war im Rahmen der nationalsozialistischen Machtergreifung Ende Februar 1933 verboten worden, womit die Versuche der Sozialdemokraten politischen Widerstand zu leisten enorm geschwächt war. In diesem Zusammenhang versuchte Finke im März des selben Jahres ein Rundschreiben an die sozialdemokratischen Funktionäre getarnt als normale Briefe über die Post aufzugeben. In diesem sollten die Funktionäre über die aktuelle Situation unterrichtet und das weitere Vorgehen erläutert werden. Der Versuch wurde jedoch denunziert. Die Polizei war in der Lage die 43 Briefe zu beschlagnahmen. Finke wurde wegen Verstoßes gegen das Reichspressegesetz angezeigt, und ihm wurde im Fall einer Wiederholung Schutzhaft angedroht. Auf Druck des SA-Standartenführers Pantförder wurde Finke dann auch von der regulären Polizei in Schutzhaft genommen. Interessanterweise wollte die SA, die Verhaftung nicht selbst durchführen, da sie bei einem Auftauchen von Braunhemden in der Nähe von Finkes Wohnort linke Ausschreitungen befürchtete. Vor seiner Verhaftung war es Finke zudem gelungen die einzig existierenden SPD-Mitgliederlisten zu verbrennen, die er als Geschäftsführer in Verwahrung genommen hatte. Auf diese Weise konnten Beamte nicht der SPD als zugehörig identifiziert werden.

Julius Finke saß vom 20. März bis zum 23. Mai 1933 im Herforder Zellengefängnis, der heutigen Justizvollzugsanstalt in "Schutzhaft." In dieser Zeit schrieb er seiner Frau Elisabeth 64 Briefe, die insgesamt 200 Blätter füllten. Seine Frau antwortete mit 34 Briefen auf ca. 150 Blättern. Finke schrieb einen empörten Brief an der Herforder Oberbürgermeister Althaus, in dem er ihn bat sich für seine Belange einzusetzen. Dieser reagierte darauf jedoch nicht.

Finke blieb nach seiner Entlassung weiter unter Polizei-Beobachtung, da er sich geweigert hatte eine Erklärung zu unterschreiben, jeglichen Kontakt zu anderen SPD-Funktionären zu unterlassen. Andere prominente SPD-Mitglieder hatten dieses Kontaktverbot akzeptiert, und blieben im Gegensatz zu Finke von der Polizei unbehelligt. Diese Sozialdemokraten mieden nach 1933 sein Haus. Ob sie dies taten, um nicht selbst wieder in das Visier der Polizei zu geraten, oder weil Finke seine Freilassung mutmaßlich der Fürsprache eines SS-Mannes zu verdanken hatte, kann nicht restlos geklärt werden.

Der SPD-Abgeordnete wurde nach 1933 noch zweimal kurzfristig verhaftet. Das erste Mal während des Attentats im Münchener Bürgerbräukeller 1939 und während der Tat der Verschwörer des 20.Juli 1944. Nach dem Krieg wurde Finke von den übrigen Mitgliedern gemieden, aus den bereits beschriebenen Gründen. Er verstarb in Herford am 9.12.1947.



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