Biographie / Severing
Carl Severing Biographie
Christoph Laue - 22.04.2008Carl Severing wurde am 1. Juni 1875 in Herford geboren. 1889 begann er eine Schlosserlehre. 1889 wurde er Gewerkschaftsmitglied. Im Sommer 1893 schloss sich Severing der Sozialdemokratie an und wurde - erst achtzehnjährig - in den Vereinsvorstand und zum Schriftführer gewählt. Für die sozialdemokratische "Volkswacht" in Bielefeld schrieb er bald eigene Beiträge.
Während eines Streiks in Bielefeld im Frühjahr 1896 von den Arbeitern als Wortführer bestimmt und musste nach dem Scheitern die Stadt verlassen. Die anschließende Wanderschaft führte ihn in die Schweiz. Ende 1898 kehrte Severing endgültig nach Bielefeld zurück. 1901 wurde er zum 1. Bevollmächtigten des Bielefelder Metallarbeiterverbandes gewählt und Ende des gleichen Jahres zum Geschäftsführer ernannt. 1907 wurde er erstmals in den Reichstag gewählt. 1912 unterlag Severing in seinem Wahlkreis einem Gegenkandidaten. Im April des gleichen Jahres übernahm Severing die politische Leitung der Bielefelder "Volkswacht". Nach Kriegsausbruch gehörte er zu jenen Kräften in der Sozialdemokratie, die entschieden für eine Zustimmung zu den Kriegskrediten eintraten. Severing war Mitglied in dem 1914 gegründeten Parteiausschuss der SPD. Im Dezember 1918 nahm er am Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte in Berlin teil. Die Wahlen im Januar 1919 brachten ihm Mandate für die Weimarer Nationalversammlung, die Verfassunggebende Preußische Landesversammlung und das Bielefelder Stadtparlament.
Am 7. April 1919 wurde Severing zum Reichs- und Staatskommissar für das Ruhrgebiet ernannt. Ein Jahr später musste sich Severing mit den Folgen des Kapp-Putsches im Ruhrgebiet auseinandersetzen. Am 29. März 1920 wurde Severing Nachfolger des zurückgetretenen preußischen Innenministers und übte diese Funktion mit einer kurzen Unterbrechung bis Oktober 1926 aus. Im Juni 1920 erhielt er ein Reichstagsmandat; 1921 wurde er in den preußischen Landtag gewählt. Zu Severings vordringlichen Aufgaben als preußischer Innenminister gehörte die Neuorganisation der Polizei und die Entfernung von illoyalen Beamten aus dem Verwaltungsapparat. Sein angegriffener Gesundheitszustand veranlasste ihn, am 6.10.1926 das Rücktrittsgesuch einzureichen. Bei den Wahlen am 20. Mai 1928 erhielt er erneut ein Doppelmandat für den Reichstag und den preußischen Landtag.
In der neuen Reichsregierung übernahm Severing das Amt des Reichsinnenministers. In den folgenden Monaten sah sich Severing mit einer Verschärfung der innenpolitischen Spannungen konfrontiert.
Nach dem Bruch der großen Koalition im Reich und dem Ende der Regierung Müller übernahm Severing am 27. Oktober 1930 wieder das Amt des preußischen Innenministers und stand damit im Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit den erstarkten Nationalsozialisten. Bei den preußischen Landtagswahlen am 24. April 1932 mussten die Sozialdemokraten schwere Verluste verbuchen, die preußische Regierung blieb aber weiter geschäftsführend im Amt. Überraschend teilte Reichskanzler Franz von Papen aber am 20. Juli 1932 mit, dass der preußische Ministerpräsident und der Innenminister ihrer Ämter enthoben seien. Severing verließ seine Diensträume am Abend des 20. Juli, als der neue Berliner Polizeipräsident ihn an der Fortführung seiner Amtsgeschäfte hinderte. Durch Papens "Staatsstreich" waren die tatsächlichen Machtverhältnisse längst entschieden. Am 6. Februar 1933 wurden dem Reichskommissar durch neue Verordnung des Reichspräsidenten auch die Befugnisse übertragen, die nach dem Urteil des Staatsgerichtshofs der preußischen Staatsregierung noch zustanden. Am 23. März 1933 beschlossen die preußischen Minister formell ihren Rücktritt.
Anfang März 1933 sollte Severings Pass eingezogen werden. Am 23. März 1933 wurde Severing auf dem Weg zur Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz verhaftet, zur Teilnahme an der Abstimmung wieder entlassen. Severing blieb - von sporadischen Belästigungen durch einzelne Nationalsozialisten abgesehen - die meiste Zeit des "Dritten Reichs" unbehelligt. Entgegen seinen ursprünglichen Absichten betätigte sich Severing nach Kriegsende erneut politisch. Er beriet die britische Militärregierung in organisatorischen und personellen Fragen und war Mitbegründer und bis Mai 1948 Chefredakteur der "Freien Presse" in Bielefeld. Seit April 1947 gehörte er dem Landtag in Nordrhein-Westfalen an, bis Juli 1949 war er Vorsitzender des SPD-Bezirks Östliches Westfalen. Carl Severing starb am 23. Juli 1952 in Bielefeld.
